
Anthroposophische Medizin
Was ist Anthroposophische Medizin?
Die Anthroposophische Medizin stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Sie erweitert in ihrer Anschauungsweise und in ihren Forschungsmethoden die in unserer modernen Medizin übliche Betrachtungsweise des menschlichen Organismus nach physikalisch-chemischen Prinzipien auf molekularbiologischer Ebene um die Dimension der Gesetzmäßigkeiten des Lebendigen sowie des individuellen Seelisch-Geistigen. Jede Krankheit betrifft alle diese Ebenen und ist vor diesem Hintergrund Ausdruck der geistig-seelischen Individualität der Patient:innen mit ihrem unverwechselbaren Schicksal. In der Anthroposophischen Medizin werden diese komplexen Zusammenhänge in die Diagnose und das daraus resultierende Therapiekonzept im Sinne eines salutogenetischen Ansatzes einbezogen.
Selbstverständlich kommen dabei alle Behandlungsmöglichkeiten der modernen Medizin, sofern erforderlich, zum Einsatz. Die Anthroposophische Medizin erweitert und ergänzt diese Behandlungsoptionen mit Arzneimitteln, die durch spezielle Verfahren aus den Naturreichen als pflanzliche, mineralische und tierische Präparate gewonnen werden, sowie durch pflegerische Anwendungen wie Einreibungen, Auflagen und Wickel. Eine Vielzahl weiterer Therapien wie Heileurythmie/Eurythmietherapie, Rhythmische Massage, Kunsttherapien, Psychotherapie und Biographiearbeit sind wesentliche Pfeiler der Therapie.
Die Anthroposophische Medizin findet in unterschiedlichen Fachdisziplinen, wie Onkologie, Kardiologie, Pädiatrie, Neurologie oder Psychiatrie, ihre Anwendung. Sie wird momentan weltweit in rund 60 Ländern praktiziert. Besonders im deutschsprachigen Raum gibt es neben Praxen und Therapeutika auch mehrere anthroposophische Kliniken.
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Wir laden Sie ein, unsere Kernthemen näher kennenzulernen:
- Patient:innen im Mittelpunkt der Therapie
- Fachbereiche, Netzwerke und internationale Koordination
- Entwicklungsetappen der Anthroposophischen Medizin
- Filmportrait Anthroposophische Medizin
Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prinzipien voll anerkannt. […] Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher gezwungen, aus dieser erweiterten Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten.
Rudolf Steiner, Ita Wegman in: Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen (1925)
Forschung in der Anthroposophischen Medizin
Forschung in der Anthroposophischen Medizin dient der Evaluation von Therapien und Methoden, der Erkenntnis von Wirkmechanismen, Effektivität, Sicherheit und Kosteneffizienz. Grundlegende Konzepte, anthropologische Dimensionen und der historische Hintergrund werden ebenso erforscht wie die Perspektiven von Patient:innen und Gesundheitsdienstleister:innen. Die Nutzenbewertung spielt eine wesentliche Rolle (1). Weitere Forschungsaspekte umfassen das Messen einer für die Anthroposophische Medizin spezifischen Versorgungsqualität (2) sowie von regulatorischen Prozessen (3).
Die Medizin besteht jedoch aus Einzelfällen. Fallberichte haben einen hohen Stellenwert in der anthroposophischen Forschung und liefern relevante Informationen, die die Daten aus klinischen Studien ergänzen. Sie sind oft die erste Präsentation von Entdeckungen: neue Erkrankungen und Therapien, neue Perspektiven in der Pathogenese sowie innovative Diagnoseverfahren. Ein weiterer Bereich sind die Nebenwirkungen, von denen etwa 40 % durch Fallberichte aufgedeckt werden (4).
Die überblicksartige Präsentation unserer Forschungsbereiche- und ergebnisse wird derzeit aktualisiert und ist künftig auf dem Fachportal Anthromedics verfügbar. Eine Auflistung der Forschungsinstitute für Anthroposophische Medizin ist bereits hier verfügbar.
Fußnoten
- Strasser F. Kriterien der Nutzenbewertung der Integrativen Medizin am Beispiel der Anthroposophischen Medizin. Der Merkurstab 2023;76(3):177-186. DOI: https://doi.org/10.14271/DMS-21636-DE.
- Koster EB, Baars EW, Delnoij DMJ. Patient-reported quality of care in anthroposophic and integrative medicine: A scoping review. Patient Education and Counseling 2020;103(2):276–285. DOI: https://doi.org/10.1016/j.pec.2019.09.010.
- Baars EW, Kienle GS, Heusser P, et al. Anthroposophic medicinal products: a literature review of features, similarities and differences to conventional medicinal products, scientific and regulatory assessment. Global Advances in Integrative Medicine and Health 2022;11:21649561211073079. DOI: https://doi.org/10.1177/21649561211073079.
- Aronson JK. Adverse drug reactions and the role of case reports. 2009. Presented at "Celebrating case reports and stories in health care" at the Royal College of Physicians, London, UK. 15.5.2009.
Publikationen
